Wie erleben wir unsere Welt?

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Ein Glas gefüllt zur Hälfte – die Frage ist nun: Ist das Glas halb voll oder halb leer?

Folgende Kurzgeschichte habe ich diese Woche entdeckt. Benjamin Zander und Rosamund Stone Zander haben sie in ihrem Buch „The Art of Possibility“ abgedruckt: Ein Schuhunternehmen hat zwei Marketing Experten in eine Region in Afrika geschickt, um herauszufinden, ob es dort für sie eine Möglichkeit gäbe, weitere Geschäfte zu machen.

Der eine dieser Marketing Experten hat folgendes Telegramm zurückgeschickt:
SITUATION HOFFNUNGSLOS STOP NIEMAND TRÄGT SCHUHE STOP

Der andere dieser beiden Experten hat triumphierend zurückgeschrieben:
AUSGEZEICHNETE GESCHÄFTSGELEGENHEIT STOP SIE HABEN KEINE SCHUHE STOP

Ein Sachverhalt und dazu zwei völlig verschiedene Aussagen, getroffen aus einer jeweils anderen Perspektive. Beide Männer beschreiben aus ihrer jeweiligen Sicht die gleiche Situation, so wie sie ihre Welt wahrnehmen. Also ist es im Prinzip möglich, eine Situation auf ganz verschiedene Weise zu erleben. Es scheint sogar so, wie wenn die Männer ihre eigene Wirklichkeit erschaffen. Und wenn man die „Geschichte“ schon selber erfindet, kann man sie natürlich auch selber wieder umgestalten und verändern.

Aehnlich machen es Schriftsteller, sie verändern immer wieder den Inhalt ihrer Geschichte, lassen manche Sätze weg, fügen ganze Passagen hinzu, erfinden neue Kapitel, neue Figuren, streichen manche Zwischenstränge heraus, wenn sie ihnen nicht gefallen. Wir haben die Wahl, wie wir unsere Welt erleben wollen. Ob das Glas halb voll oder halb leer ist, das entscheiden wir ganz alleine. Und jeder kann es für sich selber immer wieder ganz neu entscheiden.

Wir wählen übrigens auch, wenn wir nicht wählen! Dann wählen die anderen für uns. Stecken uns mit ihrer guten oder schlechten Laune an, verschönern uns den Tag oder machen uns das Leben schwer.

Probieren Sie das auch einmal! Denken Sie an das Glas, und überlegen Sie, wie Sie Ihren morgigen Tag erleben wollen. Entscheiden Sie sich für eine gewisse Stimmung, für ein gewisses Gefühl. Sie können es immer wieder ändern, wenn es Ihnen nicht gefällt.

Ansteckung

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Meistens höre ich Musik, wenn ich einen Text schreibe. Musik inspiriert mich. Vor kurzem habe ich jedoch festgestellt, dass ich unterschiedlich schreibe, je nachdem welche Musik ich gerade höre. Das hat mich verblüfft, so im Detail war mir das gar nicht bewusst. Country Musik zum Beispiel löst einen anderen Schreibstil bei mir aus als klassische Musik, Musikstücke mit tiefen Bässen lassen mich anders schreiben als wenn ich elektronische Musik höre.

Haben Sie Ähnliches auch schon bemerkt?

Angenommen Sie sind in einer Gruppe von fünf Menschen, die alle schlechte Laune haben, fühlen Sie sich dann irgendwann auch genervt und schlecht drauf? Es ist fast unmöglich, die eigene gute Laune beizubehalten. Oder wenn Menschen um einen herum nörgeln und schimpfen, ist man selber sehr schnell in Versuchung, auch mit zu lästern. Wie lange kann man fröhlich bleiben, wenn um einen herum alle traurig sind? Nur ganz kurz, Traurigkeit ist ansteckend. Dasselbe gilt jedoch auch fürs Lachen. In einer Lach Gruppe kann man nicht ernst bleiben, wenn alle lachen.

Im Museum gibt es manchmal Bilder, die einen wirklich beunruhigen. Ich stelle mir oft vor, wenn solche Bilder im Schlafzimmer hängen, dann sind Alpträume fast vorhersehbar. Wer viel Krimis liest und gleichzeitig über sehr viel Fantasie verfügt, hat vielleicht schon beobachtet, dass er nachts schreckhafter wird. Dabei ist Dunkelheit an sich etwas sehr Schönes, Beruhigendes. Eine Kundin von mir hat vor kurzem gesagt, Dubai sei zwar eine sehr moderne und schöne Stadt und trotzdem fühle sie sich nicht wohl. Es sei eine Stadt ohne Geschichte, ohne Tradition, ohne Kultur. Fand ich sehr spannend.

Alles um uns herum hat einen Einfluss auf unsere Stimmung. Viel mehr, als uns bewusst ist. Die Backgerüche in der Lebensmittelabteilung, der Lärmpegel im Grossraumbüro, visuelle Werbung, die man überall immer sieht, erregte Radio-und Fernsehsprecher, deren Stimme so vibriert, wie wenn sich etwas Gefährliches anbahnen könnte. Ganz früh morgens Vogelstimmen, der Duft des Regens oder die Pollen in der Luft.

Beobachten Sie doch diese Woche Ihre Umgebung. Wie ein Forscher, wie jemand, der vielleicht aus einem früheren Jahrhundert kommt, ganz neugierig und gespannt. Was fällt Ihnen alles auf? Beobachten Sie nur, ohne gleich zu verändern. Einfach so.

Endlosschlaufe am Abend

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Sie haben Ärger im Büro, gehen heim, der Ärger ist jedoch immer noch da. Selbst abends, obwohl alles um Sie herum ganz friedlich ist, sind Sie immer noch aufgeregt, wütend, frustriert. Sie sind nicht in der Lage, abzuschalten. All das Unangenehme ist immer noch da, aber Sie können im Moment nichts dagegen tun. 

Ich möchte Ihnen einige Erste Hilfe Massnahmen vorstellen. Die Idee dahinter ist, dass Sie sich für den Moment ablenken. Das Problem wird nicht gelöst, aber Sie können sich durch diese Erste Hilfe Massnahmen wieder beruhigen. Wichtig ist, dass Sie etwas aktiv machen. Dadurch bauen Sie das Adrenalin ab, welches immer noch im Körper vorhanden ist.

Später dann, in einem zweiten Schritt können Sie dann rational herauszufinden, was denn genau dort in der stressigen Situation abgelaufen ist.

  • Zählen Sie innerlich von 1000 zurück, so lange bis Sie bei der 1 angekommen sind.
  • Zählen Sie für sich das kleine Einmaleins auf. Wenn Sie können, probieren Sie auch das Grosse Einmaleins.
  • Finden Sie zu jedem Buchstaben im Alphabet einen Namen.
  • Sie können es auch schwieriger machen, indem Sie ganze Kategorien suchen, zum Beispiel Obstsorten und mit A anfangen, Gemüsesorten, Schauspieler, Politiker.
  • Vielleicht kommt Ihnen ein Liedanfang in den Sinn, welchen Sie mögen. Singen Sie das innerlich. 
  • Eine mögliche Affirmation wäre zum Beispiel: Ich bin immer und überall gelassen und ruhig.
  • Lösen Sie ein kompliziertes Rätsel, ein Sudoku.
  • Machen Sie einen flotten Spaziergang um den Block.

Es gibt auch Techniken wie zum Beispiel Yoga, Atemtechniken, Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung, Visualisierungstechniken, Traumreisen, ganz spezifische Entspannungsübungen, die auch alle hervorragend sind. Man muss sie jedoch zuerst lernen, sich bereits vor dem Stress ein wenig Zeit reservieren. Dann sind sie allerdings unschlagbar.