Überfülle überall

IMG_7489In den Wochen vor Ostern war das Einkaufen im Supermarkt echt beeindruckend. Tausende Schokoladeneier in allen Formen, Grössen und Farben waren auf Paletten aufgestapelt, ganz kleine Osterhasen, riesige Osterhasen in allen Preisklassen und Schokoladenmarken säumten die Regale. Und ebenso füllten sich auch teils ganz phänomenal die jeweiligen Einkaufswagen.

Im Supermarkt ist diese Überfülle offensichtlich, früher gab es zum Beispiel Trauben nur im Herbst, heute kann man das ganze Jahr über Trauben und jegliches Obst kaufen. Wenn ich irgendeine Creme einkaufen will, bin ich immer wieder fasziniert, wie viele unterschiedliche Cremen alle denselben Zweck erfüllen sollen. Wenn ich Kleider einkaufen will, fühle ich mich sehr schnell überfordert. Es gibt Tausende von Shops in allen Preisklassen. Es gibt so viele Kleiderstile wie Menschen, Konzepte, wie man sich einkleiden könnte. Und in den Umkleidekabinen tummeln sich die Menschen, genauso wie in den Shopping Centers, den Fussgängerzonen, im Bahnhof, in den Cafes. Selbst die Brockenstube, die ich manchmal aufsuche, platzt aus allen Nähten. Eine schier unglaubliche Menge an Hausrat wird dort wieder erneut verkauft.  

Diese Überfülle hat auch in ganz anderen Bereichen in unserem Leben Einzug gehalten. Nicht nur, dass viele von uns viel zu lange arbeiten, auch dort fast eine Masslosigkeit die Regel ist, dass viele in Grossraumbüros arbeiten müssen, wo der Lärmpegel viel zu hoch ist und die Luft sehr schlecht. Dass die Pendlerzüge übervoll sind, die Autos jeden Morgen und Abend in einem übervollen Stau stehen. Und was dazu kommt, wir werden jeden Tag mit einer Überfülle von Informationen bombardiert, nützliches Wissen, nutzloses Wissen. Was machen wir mit den vielen Mails, Links, Blogs, Newsletter, Telefonaten, Anfragen, Beschwerden, mit den vielen Anhängen, mit den SMS, mit dieser Flut von Informationen jeden Morgen am Rechner?

Und ganz lästig, Sie haben das sicher auch alle schon morgens beim Anziehen bemerkt. Die Überfülle ist bereits in unserem eigenen Körper angekommen. Wir wiegen fast alle einfach zu viel.

Was ist denn noch normal? Was tut einem gut? Wie kann man sich schützen? Wie wählt man aus? Was braucht man wirklich und was wird einem unbewusst suggeriert, was man alles brauchen könnte? Nicht einfach!

Ich glaube, der erste Schritt ist, dass man sich überhaupt dazu Gedanken macht. Nehmen wir die Osterhasen als Beispiel. Will ich denn wirklich Osterhasen kaufen? Tut es mir wirklich gut? Und wie viele will ich kaufen? Kann ich es mir leisten, von Gewicht her, von der Gesundheit her, viel Schokolade zu essen? Oder ist es einfach ein Brauch, eine Tradition, der ich folge? Macht diese heutzutage noch Sinn? Ich meine, früher hat man vor Ostern 40 Tage gefastet und dann zu Ostern richtig gut gegessen? Wer macht das heute noch? Ist eine Ausnahme für mich okay? Bleibt es bei der Ausnahme? Bin ich nachher glücklicher als vorher? Und angenommen, ich kaufe viele Osterhasen für andere Menschen, macht das wirklich Sinn? Gäbe es dazu eine Alternative? Etwas ganz anderes?

Picken Sie sich doch jeden Monat einen Bereich in Ihrem Leben heraus und hinterfragen Sie diesen Bereich einmal etwas genauer. Nur Sie selber können für sich herausfinden, was für Sie stimmt. Sie selber kennen sich am besten. Deshalb können auch nur Sie entscheiden, was für Sie normal ist, was für Sie stimmt, wie Sie sich schützen wollen. Ist das alleine zu anstrengend, zu schwierig, weil die Aussenperspektive fehlt, dann engagieren Sie mich doch einmal für einen Monat. Dann machen wir es zu zweit. Zu zweit ist es leichter.

2 thoughts on “Überfülle überall

  1. Liebe Heidi
    Ohhh… dein Blog passt super zu meinem gestrigen Ausflug in die Ausstellung „Entscheiden – Im Supermarkt der Möglichkeiten“ im http://www.stapferhaus.ch in Lenzburg. Im Kern geht es um die Qual der Wahl in der heutigen „Überfülle“ von Möglichkeiten. Die Ausstellung fand ich super und sehr empfehlenswert – geht leider nur noch bis Freitag 25. April!

    ganz herzlich – Peter

    • Lieber Peter
      Toller Link, was für ein grossartiger Titel: Entscheiden-Im Supermarkt der Möglichkeiten.
      Danke Dir fürs Teilen. Bin gespannt, ob der eine oder andere die Möglichkeit noch hat, dorthin zu gehen und die Ausstellung anzuschauen.
      Liebe Grüsse Dir
      Heidi

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